Was kommen wird - verschiedene Endzeitvorstellungen

Jesus sagt: Siehe, ich komme bald und mein Lohn mit mir, um einem jedem zu vergelten, wie sein Werk ist. Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende (Offenbarung 22,12-13).

 

Jesus sagte seinen Jüngern immer wieder, dass er auf diese Erde zurückkommt. Die Bibel berichtet von verschiedenen Zeichen und Ereignissen, die vorausgehen werden. Und dennoch ist vieles verborgen, wie es genau geschehen wird. Immer wieder haben Christen versucht, die Prophezeiungen der Bibel miteinander zu verknüpfen und einen endzeitlichen Plan zu entwerfen. Mit diesen verschiedenen Vorstellungen wollen wir uns heute auseinandersetzen und ich möchte schon jetzt die Zusammenfassung sagen:

Wir wissen nicht genau was kommt, aber wir wissen wer kommt!

Oder anders gesagt: Die Bibel ist kein Fahrplan, sondern sie enthält Gottes Heilsplan.

 

Das heisst, die Bibel will aufzeigen, wie wir uns heute mit Gott versöhnen können. Sie hat kein Interesse daran, dass wir darüber spekulieren, wieviel Zeit wir dafür noch haben. So hat auch Jesus gesagt: ?Der Tag und die Stunde weiss allein mein Vater? (Mt 24,36). Und dennoch haben die Christen durch die Jahrhunderte verschiedene endzeitliche Erwartungen gehabt.

 

Der Prämillenialismus

In den ersten drei Jahrhunderten waren die Christen geprägt von der baldigen Wiederkunft Jesu. Sie erwarteten Jesus, der auf diese Erde zurückkommt und ein irdisches, 1000-jähriges Reich aufrichten wird.

 

Kurz beschrieben findet folgendes statt: Jesus ist in den Himmel aufgefahren und kommt auf diese Erde zurück. Wenn er kommt, dann erleben die Gläubigen die Entrückung. Das heisst, in einem Augenblick werden sie verwandelt und bekommen den geistlichen, ewigen Leib. Sie werden dann mit Jesus das 1000-jährige Reich aufrichten. Am Ende dieses Reiches wird der Teufel noch einmal losgelassen und verführt die ganze Menschheit. So kommt es abschliessend zum letzten Gericht. Dann werden die Gläubigen in Gottes ewige Reich eingehen, in dem alle Menschen, die ohne Gott lebten, keinen Zugang haben. Diese Auslegung nennt man den Prämillenialismus. Das heisst wörtlich: ?Vor dem 1000-jähriges Reich?. Also Jesus wird vor dem 1000-jährigen Reich wiederkommen.

 

Das war die weitverbreitete Vorstellung der ersten Christen. Sie erwarteten nach der Wiederkunft von Jesus ein irdisches, 1000-jähriges Reich. In ihm gehen die alttestamentlichen Verheissung in Erfüllung, dass die Menschen und die Tiere wieder friedlich neben einander sein werden. Jesus selbst wird von Jerusalem aus die ganze Welt regieren. Die ersten Christen erwarteten dieses Reich noch zu ihren Lebzeiten.

 

Der Amillenialismus

Ab dem 4.Jahrhundert wurde dann der christliche Glaube und die Kirche im römischen Reich offiziell anerkannt. Im Jahre 311 erliess Galerius ein Duldungsdelikt. Damit hörte jegliche Verfolgung der Christen auf. Am 28. Februar 380 n.Chr. wurde durch Theodosius der christliche Glaube zur Staatsreligion erklärt. Es entstand eine Staatskirche und die Religionsfreiheit wurde aufgehoben. Alle Menschen im römischen Reich mussten Christen werden.

 

Die Kirchenväter sahen nun die Verheissung der Offenbarung 20 als erfüllt an, da der Teufel das Reich Gottes nicht mehr hindern konnte und die Kirche selbst die damalige Welt prägte. Im Konzil von Ephesus (432 n.Chr.) wurde der Glaube an ein zukünftiges Reich als Aberglaube verurteilt.

 

Der Glaube, dass Jesus selbst auf diese Welt kommt und ein christliches Reich aufrichtet, war überholt. So entstand der Amillenialismus. Das bedeutet: Es gibt kein irdisches, 1000-jähriges Reich, in dem Jesus sichtbar auf dieser Erde regiert. Jesus wird, wenn er wiederkommt, das Gericht halten und wir erleben den neuen Himmel und die neue Erde. Die Wiederkunft und die Entrückung ist ein einziges Ereignis.

 

Es ist schon erstaunlich, dass die Kirche mehr als 1000 Jahre die ganze damalige Welt prägte. Das traurige dabei ist, dass sich immer wieder fragwürdige Dinge und Prinzipien innerhalb der Kirche einnisten konnten. So kam es ab 1517 zur Reformation.

 

Weil durch die Reformation alle Leute die Bibel lesen konnten, glaubten einzelne Christen wieder vermehrt an ein 1000-jähriges Reich auf Erden. Sie legten die Bibel wörtlich aus und hielten Prophezeiungen nicht für bildhafte oder symbolische Reden. In Münster gab sich um 1534 ein Mann als Jesus Christus aus, der nun das 1000-jährige Reich aufrichten werde. Sein Lebenswandel war alles andere als christlich. Durch dieses Ereignis mitgeprägt hielten die Reformatoren am Amillianismus fest. Sie waren ja auch auf die Unterstützung vom Staat angewiesen. Calvin bezeichnete sogar die Anhänger vom irdischen, 1000-jährigen Reich als unwissend und niederträchtig.

 

Doch im 17.Jahrhundert kam der Prämillianismus wieder auf, vor allem durch die Christen, die eine ganz enge Beziehung zu Jesus und der Bibel pflegten. Dazu gehörte J.H.Bengel und Isaac Newton. Doch gerade in dieser Bewegung meinte man den Ort und die Zeit der Wiederkunft Christi zu wissen, was sich später als Irrtum herausstellte.

 

Der Postmillianismus

Später entstand eine neue Bewegung, der Postmillianismus. Daniel Whitby (1638-1726) vertrat die Meinung, dass das 1000-jährige Reich durch die Bekehrung aller Menschen entstehen wird. Er vertrat damit ein neuinterpretierter Amillianismus. Das heisst, Jesus kommt nicht sichtbar auf die Erde um sein Reich aufzurichten, sondern durch das Missionieren wird die ganze Welt christianisiert. Durch Erweckung entsteht ein 1000-jähriges Friedensreich. Er war somit überzeugt, dass im Gegensatz zum Amillianismus das Friedensreich noch aussteht und durch Mission und Evangelisation entstehen wird. Der Vorteil von diesem Weltbild ist, dass die Evangelisation und Mission wieder die erste Priorität bekommt. Auch heute gibt es wieder Stimmen, die von einer weltweiten Erweckung sprechen, bevor Jesus wiederkommt. Die Bibel sagt aber auch, dass trotz der weltweiten Evangelisation die Gottlosigkeit zunehmen wird.

 

Der Dispensationalismus

Im 19.Jahrundert begründete John Nelson Darby (1800-1182) eine neue Theorie über das tausendjährige Reich. Ausgehend vom Prämillianismus sah er zwischen der Entrückung und der Wiederkunft von Jesus eine Zeit von sieben Jahren. Seine Lehre heisst: Dispensationalismus. Das bedeutet, die Christen sind während den berüchtigten Jahren des Antichristen weg von dieser Erde (Dispens). Er teilte auch die ganze Geschichte der Menschen in verschiedene Heilszeiten ein. Diese Lehre hat sich vor allem im europäischen Raum durch den Brockhausverlag ausgebreitet. Ich denke, viele Endzeitbücher, die in unseren Kreisen gelesen werden, sind geprägt von dieser Lehre.

 

Was es zu bedenken gibt

Vier verschiedene Lehren. Doch jetzt könnte jemand sagen, dass es in der Offenbarung doch eindeutig steht, wie alles kommen muss. Ich möchte da an den Satz erinnern: Die Bibel enthält kein Fahrplan, sondern einen Heilsplan. Genau in dieser Frage ist man sich unterschiedlicher Ansicht. Die einen sagen, die Offenbarung ist ein chronologisches Buch, andere behaupten, in der Offenbarung stehen verschiedene Visionen, die zum Teil in Bildern und durch Symbole wieder das Gleiche beschreiben wie vorher. Jemand hat mir einmal gesagt, dass für ihn die Visionen der Offenbarung verschiedene Zeichen enthalten, die Gott nach seinem Willen in Erfüllung gehen lassen kann. Letztlich weiss nur Gott, wie es ganz genau kommt.

 

Ich für mich persönlich könnte mir auch gut vorstellen, dass die Gnadenzeit der nichtjüdischen Völker durch die Entrückung einen Abschluss findet. Wenn die Vollzahl der Heiden eingegangen ist, dann könnte es sein, dass Gott sich wieder speziell seinem Volk zuwendet und in Israel eine Umkehr vom ganzen Volk zu Jesus stattfindet. Ihnen würde dann wie verheissen, die Decke von den Augen weggenommen. Weil in den Völkern keine Christen mehr sind, wird es dem Antichristen möglich, die ganze Welt gegen Israel zu vereinen. Doch ihnen wird es nicht möglich sein, Israel zu vernichten. Dann entsteht ein messianisches Friedensreich, das eventuell durch den noch unsichtbaren Jesus regiert wird. Auf jeden Fall wird am Ende ein grosser Aufstand stattfinden, der mit der sichtbaren Wiederkunft von Jesus und dem Gericht über alle Menschen endet. Letztlich weiss ich nicht was kommen wird. Ich möchte sehr vorsichtig sein, die verschiedenen Bibelstellen in mein Denken hineinzupressen.

 

Was wir lernen können

Die Sichtweisen der Endzeit sind immer geschichtlich mitgeprägt. In einem Buch las ich: ?Jede Generation muss wieder ihre eigene Endzeitvorstellung formulieren.? Doch die geschichtliche Betrachtung unserer Väter lehrt mich, dass wir nicht selbstüberzogen und selbstsicher behaupten, was geschehen wird.

 

Es ist jedoch höchst interessant, dass wo immer der Glaube sich an Jesus orientiert, er selbst persönlich erwartet wird. In der Bibel werden wir dazu auch immer wieder aufgefordert, Jesus zu erwarten. Wir sollen jederzeit bereit sein, ihm zu begegnen. Wir wissen zwar nicht genau was kommt, aber wir wissen wer kommt. Wenn wir die Vergebung durch den stellvertretenden Tod am Kreuz von Jesus Christus für uns persönlich in Anspruch genommen haben, dann können wir getrost in die Zukunft schauen. Denn Gott hat die Kontrolle über die Welt nicht verloren. Doch gerade durch die Leidenszeiten vollendet Jesus die Gemeinde. Je mehr wir die Dunkelheit der Welt erleben, desto getroster können wir uns an Jesus wenden und ihn anbeten. Denn wenn alles vergeht, er bleibt. In der Anbetung von Jesus erleben wir ein Vorgeschmack der Ewigkeit. Das gibt uns eine Gelassenheit auch in schweren Zeiten.

 

Darum müssen wir uns nicht ängstigen vor der Zukunft. Denn wir werden die Hilfe von Jesus erleben und er wird uns entgegenkommen. So wie es schon Sadu Sundar Sing, ein indischer Prediger, erlebte. Er suchte nicht das Leiden, aber in Zeiten der Verfolgung war für ihn Jesus so real erfahrbar, dass er sich immer wieder nach dieser Gegenwart mit Jesus sehnte. Einmal sprach ihn jemand darauf an und fragte, ob er das Leiden liebe. Er antwortete: ?Nein, ich liebe nicht das Leiden, aber ich liebe die Gegenwart Jesus, die ich in diesen Momenten erlebe. Jesus ist mir nie so nah wie dann. Und ich liebe Jesus.?

 

Wollen wir doch das mitnehmen: Wir wissen nicht genau was kommt, aber wir wissen wer kommt: Jesus. Und wenn auch auf der ganzen Welt ein Chaos ist, Gott hat alles und damit auch mich mit meinen Freuden und Leiden in seiner Hand.

 

Weitere Anmerkungen:

Gemeinsamkeiten aller Theorien:

·         Jesus kommt wieder

·         Gott hat die Kontrolle nicht verloren

·         Es geht durch Leiden

·         Gott wirbt um die Menschen

·         Die Erde wird einmal untergehen

·         Es gibt eine Vollendung

 

Gefahren:

·         Das aus einzelnen Bibelstellen ganze Konzepte entworfen werden.

·         Ich interpretiere alles aus meinen Konzept heraus. Das heisst, ich bin der Massstab.

·         Ich zitiere nur die Bibelstellen, die in mein Konzept passen.

·         Man macht auch eine einseitige Nachrichtenauswahl. Nur was meine Theorie unterstützt wird gesammelt.

·         Jede Generation glaubt sie sei die Letzte. Je älter man wird, desto eher neigt man dazu das Ende unmittelbar zu sehen.

·         Was ist das Motiv? Durch Angst Bekehrungen bewirken / Sein Gewissen beruhigen, indem ich mich nicht mehr für meine Umwelt einsetzen muss / Trost schöpfen aus den Endzeitverheissungen

 

Anfrage:

Kann ich auch jemanden als meinen Bruder akzeptieren und lieben, der eine andere Erkenntnis hat, als ich selber? Erkenntnis ist Stückwerk ? auch meine.

 

Bei vielen alttestamentlichen Verheissungen auf Jesus in ihrem ursprünglichen Zusammenhang würde man nicht automatisch auf eine solche Erfüllung schliessen, wie sie in Jesus stattfand. Deshalb müssen wir aufpassen, wie wir mit biblischer Prophetie umgehen.  Gott erfüllt sie auf seine Weise.

 

Hilfreich sind folgende Bücher:

·         Das tausendjährige Reich / Robert Clause / Frankebuchhandlung 1983

·         Die Zukunftserwartung der pietistischen Väter / Helmut Egelkraut/TVG Brunnen

·         Hoffnung für unsere Erde? Das Tausendjährige Reich / TVG Brunnen

·         Das Ende naht! Franz Stuhlhofer  Brunnen

 

Über dieses Thema kann ein Seminar gehalten werden mit farbigen Folien.

Bitte Kontakt aufnehmen mir Hanspeter Obrist, amzi Reinach, 061 712 11 38

www.amzi.org

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