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Forum chrétien traitant du social, de l'économie, de l'environnement, de la culture et du développement

 

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Forum von ChristInnen für Soziales, Wirtschaft, Umwelt, Kultur und Entwicklung

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Minarettinitiative: Angst + Angst = Ungerechtigkeit

Zur allgemeinen Überraschung hat sich das Schweizer Volk am 29. November grossmehrheitlich für das Minarettverbot ausgesprochen. ChristNet ist überzeugt davon, dass zwei gegensätzliche Ängste zu diesem ungerechten und diskriminierenden Resultat geführt haben.

1. Angst vor Islam (-isierung)

Das Minarettverbot wurde als Mittel gegen die «Islamisierung» der Schweiz präsentiert. Nach dem Leitspruch «Wehret den Anfängen» wurde das Minarett zum Symbol, mit dessen Ablehnung ein Zeichen gegen den extremen Islam gesetzt werden konnte.

Die Umfragen nach der Abstimmung ergaben überdies, dass überdurchschnittlich viele Frauen für die Initiative gestimmt haben. Hier spielte sicher die Angst um die Frauenrechte eine Rolle.

Überhaupt wog offenbar die Angst davor, dass die «christliche» Identität unseres Landes bedroht ist, schwer in der Abstimmungswaage. Viele Menschen sind in ihrer Identität erschüttert, weil die Globalisierung alle Grenzen sprengt und herkömmliche Sicherheiten aufweicht.

Es fällt auch auf, dass die Initiative in Gegenden mit geringem muslimischem Bevölkerungsanteil stärker angenommen wurde, als in den (städtischen) Gegenden, wo mehr Moslems wohnen.[1] Es ist wohl bekannt, dass Unkenntnis Ängste schürt…

2. Angst vor Intoleranz und Imageschaden

Die zweite Angst, die bei dieser Abstimmung gespielt hat, herrscht bei den Gegnern der Initiative vor.

Der Bundesrat distanzierte sich in einem noch nie da gewesenen Akt schon bei ihrer Einreichung von der Minarettinitiative aus Angst, diese könnte dem Image der Schweiz besonders in der muslimischen Welt und somit der Wirtschaft schaden.[2]

Das Parlament hat es nicht für nötig gehalten, der Initiative einen Gegenvorschlag entgegen zu stellen, der auf die in der Initiative zum Ausdruck gebrachten Sorgen eingegangen wäre, sowie dem Völkerrecht und dem Gerechtigkeitsempfinden entsprochen hätte.

Während dem Abstimmungskampf wurden die genannten Ängste leider unter den Teppich gewischt oder gar lächerlich gemacht. Die Initianten wurden oft als intolerant und fremdenfeindlich dargestellt, was bei bestimmten politischen Vertretern sicher auch zutraf. Heute wissen wir aber, dass eine Mehrheit des Stimmvolkes Befürchtungen hegt, die von den Volksvertretern und den Medien nicht ausreichend ernst genommen wurden.

Resultat: Ungerechtigkeit

Diese beiden Ängste zusammen haben zum bekannten Abstimmungsergebnis geführt. Ob damit die Religionsfreiheit eingeschränkt wird oder nicht, bleibt eine offene Frage. Viel gravierender ist es, dass heute neben einer grossen Zahl Ausländer viele Tausend Schweizerbürger nur wegen ihrer Religionszugehörigkeit keinen Turm neben ihr Gotteshaus bauen können. Diese Ungleichbehandlung fügt dem religiösen Frieden und dem Glauben an die Gleichheit vor dem Gesetz grossen Schaden zu. Dieser diskriminierende Verfassungsartikel wurde denn auch bereits von der UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte verurteilt.

Nach der progressiven Verhärtung des Ausländer- und Asylrechts beginnt damit nun die Ausgrenzung von Minderheiten unter den Schweizern. Wer ist als nächstes dran? Gerade die ChristInnen unter den Initiativbefürwortern müssen sich die Frage gefallen lassen, ob Diskriminierung und Ausgrenzung zur «Reinhaltung» unseres Landes dem Weg Christi und seiner «Goldenen Regel»[3] entspricht.[4]

«In der Welt habt ihr Angst…»

Ängste angehen

Wir sehen heute schmerzerfüllt, dass uns unsere Ängste direkt in die Wand der Ungerechtigkeit führen. Jesus sagt: «In der Welt habt ihr Angst, aber siehe, ich habe die Welt überwunden.» (Johannes 16,33) Er lädt uns ein, unsere Ängste anzugehen und unsere Augen nicht zu verschliessen. Und er geht noch weiter: Er hat die Welt überwunden und damit auch unsere Ängste vor Intoleranz, Imageschaden und vor dem Islam. Somit können wir diese Ängste ihm hinlegen und ihn einladen, sie durch seine Liebe zu ersetzen und uns zu helfen, kreativ damit umzugehen.

Ängste ernst nehmen

Dann lädt uns Jesus ein, die Ängste unserer Mitmenschen ernst zu nehmen. Oft reicht ein liebevolles, offenes Ohr, um die Sorge und Befürchtung eines Nachbarn abzubauen. Dafür braucht es aber Zeit und Geduld. Wenn wir sie uns nehmen, können wir für den Anderen ein «kleiner Jesus» werden, und sein Herz kann zur Ruhe kommen.

Liebe leben

Johannes sagt uns in seinem ersten Brief: «Furcht ist nicht in der Liebe.» (1. Johannes 4,18) Wenn wir unsere Ängste mit Gottes Hilfe überwinden, können wir auf unsere muslimischen und «Anti-Minarett-»Nachbarn zugehen, sie kennen lernen und von ihnen hören, was sie erleben. Dies ist die beste Voraussetzung, um Vertrauen zu schaffen und ein friedliches Zusammenleben zu finden.

Demütige Nächstenliebe

Politisch können wir uns neu vom Prinzip der demütigen Nächstenliebe leiten lassen: Nicht meine persönlichen Interessen stehen im Vordergrund, sondern die Interessen der Schwächsten und der Minderheiten. Nicht über die Anderen herrschen ist das Ziel, sondern dienen. Nicht Gott mit politischen Mitteln verteidigen, sondern ihn bezeugen in Wort und Tat.

Möge Gott uns dabei helfen.

ChristNet, Dezember 2009



[1] Statistik Schweiz: www.bfs.admin.ch

[2] Wir denken dabei an die lukrativen Öl-Geschäfte mit Iran, Libyen usw.

[3] Matthäus 7,12: «Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch! Das ist das Gesetz und die Propheten.»

[4] Im evangelikalen Umfeld wurde die Initiative u. a. mit dem Argument verteidigt, der Islam sei eine geistliche Macht, welche die Welt mit politischen Mitteln erobern wolle, und wir Christen müssten uns ihr mutig entgegen stellen. Es wurde bedauert, dass die Kirche die Gefahr offenbar nicht sehe und zu schwach sei, um sich ihr zu stellen. Dabei wurde leider nicht berücksichtigt, dass eine christliche Politik verlangt, dass Zweck und Mittel in Übereinstimmung stehen. Dies ist bei der Minarett-Initiative nicht der Fall: Mit diesem Verbot wird eine religiös-kulturelle Minderheit diskriminiert mit dem Ziel, das christliche Erbe zu bewahren, dessen Haupterrungenschaften aber doch Nächstenliebe (die Achtung der Andersartigkeit) und Gerechtigkeit (kein Ansehen der Person) sind.

Hinzu kommt, dass die Gemeinde versucht, ihrer eigenen geistlichen Schwäche, die angesichts eines offensiven Islams an den Tag tritt, mit politischen Mitteln zu begegnen. Dies stellt ein Missbrauch der Politik zugunsten der Kirche dar, wie wir ihn aus der Geschichte zur Genüge kennen (z. B. religiöse Verfolgungen im Mittelalter). Wenn die Kirche zu schwach ist, um dem Islam geistlich zu widerstehen, ist es nicht die Aufgabe des Staates, diese geistliche Schwäche zu bedecken. Natürlich soll der Staat die Schwächsten an Leib und Leben schützen – dies gilt für alle schutzbedürftigen Minderheiten –, aber «geistliches Bollwerk» kann nur die Gemeinde Christi selber sein.

Minarettinitiative: Gebetsaufruf «Gemeinsam gegen Angst»

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06-11-2009


Minarettinitiative: Gebetsaufruf «Gemeinsam gegen Angst» : Die Diskussionen um die Minarett-Initiative zeigen, dass auf beiden Seiten ernst zu nehmende Ängste zu spüren sind. Bei den Befürwortern ist vom Machtanspruch des Islams die Rede, bei den Gegnern vom Ruf der Schweiz, der geschädigt ... (ChristNet)

Minarettinitiative: Von der Erschütterung zum Wiederaufbau

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23-04-2010


Minarettinitiative: Von der Erschütterung zum Wiederaufbau : Dass die Minarettinitiative mit einer Mehrheit von 57,5% angenommen wurde, war ein Schock, nach dem es schwierig ist, klare Worte zur Abstimmung und zu deren Auswirkungen zu finden und sich an drei so verschiedene und ungleiche Gruppen zu richten. ... (Shafique Keshavjee)

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